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Windows 10: Marketing meets Safety

Windows Creator Build 15042 veröffentlicht, Online-Zwang für Windows 10, App-Sperre gefürchtet, Zertifikate können zur Pflicht werden

Ähnlich wie für das Alleskönner-Handy der Gegenwart, auch Smartphone genannt, gibt es für PCs nur eine Handvoll Betriebssysteme. Windows macht neben Vertretern wie iOS beziehungsweise macOS, Linux, Ubuntu und Android jedoch das wohl gefragteste, zumindest jedoch am häufigsten genutzte, Betriebssystem der hiesigen Technikbranche aus. Doch dies gilt nur für die „klassischen“ PC-Formen, sprich für Desktop-Computer, Notebooks und deren kleinen Geschwistermodelle alias Sub- und Ultrabooks.

Bei Smartphones beispielsweise hält Android mit einem Marktanteil von gut 85 Prozent eindeutig das Ruder in der Hand. Und so wagt Microsoft auch immer wieder Vorstöße, um seinem Software-Bestseller in der Mobilfunkwelt ein festes Standbein zu verschaffen, was jedoch nicht zuletzt aufgrund des verhältnismäßig kleinen Spektrums an Kleinst-Anwendungen (Apps) der hauseigenen Online-Plattform (Windows Store) immer wieder zu scheitern scheint.

Die Handhabung von Windows Phone beziehungsweise Windows 10 auf Handys und Tablets etwa erfährt aufgrund von Menügestaltung und Verwaltung nur wenig Zustimmung. Und nicht nur auf den neuen kleinen Alltagsbegleitern, sondern auch auf den alten großen Windows-Rechnern machen sich Haken der Microsoft-Philosophie bemerkbar! So soll Gerüchten zufolge mit den kommenden Windows-Versionen ein noch stärkerer Online-Zwang einhergehen, der den Nutzer in eine (noch) größere Abhängigkeit der Dienste und Support-Funktionen des Global Players aus Übersee bringen dürfte. Bereits jetzt formiert sich der erste Widerstand gegen Microsoft …

Ohne Zertifikat geht`s nicht

Auslöser für die jüngste Debatte um Microsofts Betriebssystem Windows 10 stellt ein Bericht eines IT-Spezialisten dar: Auf der Webseite MSPoweruser legte ein Nutzer den Programmcode des neuesten Updates in der Betafassung für Microsofts Creator Build-Version 15042 offen und verriet, dass in den kryptischen Zeilen eine neue Softwaresperre verankert ist, die dem Rechner zumindest in den aktuellen Einstellungen die Installation von Programmen beziehungsweise Apps ohne passendem Zertifikat erschweren, wenn nicht gar untersagen, kann.

So fällt auch unausweichlich der Hinweis beim Installationsversuch von „Fremdprogrammen“ auf:

„Die App, die Sie installieren wollen, stammt nicht aus dem Windows Store“

huscht nach dem Installieren des kommenden Windows Creators über den Bildschirm, wenn ein Programm aus einer anderen Quelle als aus dem offiziellen Downloadportal von Microsoft heruntergeladen werden soll. Mit ein paar gekonnten Klicks unter den Einstellungen ließe sich dieser Hinweis bisweilen noch dauerhaft unterdrücken, doch der Quellcode soll auch offenbaren, dass mit den kommenden Versionen die Möglichkeit geboten ist, den entsprechenden Menüpunkt völlig zu tilgen. Denn die ersten Verknüpfungen für die dauerhafte Ausblendung des Warnhinweises sollen bereits insoweit verändert worden seien, als dass diese nicht mehr systemrelevant sind, also künftig entfallen könnten.

Folglich gäbe es bei kommenden Versionen eventuell gar keinen anderen Weg als über den offiziellen Windows Store, um an neue Programme und sogar viele Spiele zu gelangen. Die nun veröffentlichte Version samt dieser „App-Sperre“ bietet derweil übrigens noch die Möglichkeit, den Warnhinweis durch eine einmalige Bestätigung als beachtet, jedoch nicht weiter relevant einzustufen, sprich den jeweiligen Download dennoch zu starten.

Profit auf ganzer Ebene?

Sinn und Zweck dieses Online-Zwangs soll laut Microsoft der Schutz vor Schadsoftware sein, da lediglich bei Programmen aus dem offiziellen Windows Store eine Garantie gegeben sei, dass mit Installationen keine „Huckepack-Software“ auf dem Rechner lande. Wie bereits erwähnt, fällt das aktuelle Angebot von Windows Store allerdings noch vergleichsweise spartanisch aus:

Während es Android mit seinem Play Store auf gut 2,3 Millionen Apps bringt, kann Microsoft lediglich mit gut 600.000 Apps dienen.

Die erste große Befürchtung, die sich nun breitmacht, betrifft also vor allem die Auswahl beziehungsweise die Palette an Programmen, mit denen Windows 10 und vermutlich auch folgende Systemversionen ausgestattet werden können. Doch es ist nicht nur die Auswahl des Windows Stores, die aktuellen Nutzern zunehmend Sorgen bereitet:

Microsoft könnte bald im Grunde genommen für jedes einzelne Programm beziehungsweise für jeden Download abkassieren!

Denkbar wären auch Abos, die dann zwar kostengünstiger ausfallen würden, aber dennoch deutliche Mehrausgaben, insbesondere für Privatpersonen, darstellen dürften. Hand in Hand mit dem Profit würde selbstverständlich auch Microsofts Einfluss auf die jeweiligen Entwickler steigen:

Auf rund 70 Prozent aller weltweit genutzten PCs läuft aktuell Windows!

Zwar nutzt noch ein großer Teil Windows 7, doch sobald das offizielle Support-Aus Mitte 2020 einsetzt, es also keine Sicherheits- und Funktions-Updates für Windows 7 mehr gibt, dürfte Windows 10 nahezu flächendeckend zum Einsatz kommen. Software-Entwicklern könnte somit frei nach dem Motto „Windows-Optimieren oder Windows-Store-Rauswurf“ schnell die Pistole auf die Brust gesetzt werden. Da durch den Online-Zwang in diesem Fall lediglich die Vermarktung bei der Konkurrenz übrig bliebe, wären Entwickler also einem hohen Druck ausgesetzt.

Zu guter Letzt fürchten IT-Experten, dass die Schnüffelaktivitäten Microsofts abermals ausgebaut werden könnten. Bereits jetzt wird der Konzern für seine Datensammelwut kritisiert, doch sobald jeder einzelne Download gelistet werden würde, stiege die Kontrolle über jeden PC-Besitzer selbstverständlich noch einmal drastisch an. So könnten an die Nutzung von Apps bestimmte Funktionen gebunden werden:

Ist die Sprachsteuerung samt ihrer Aufzeichnungsfunktion und Berichterstattung an Microsoft nicht aktiv, könnte selbst der einfache Browseraufruf unterbunden werden.

Es sind also nicht die erfreulichsten Neuigkeiten, die mit dem Creators Build daherkommen. Wie sich das System in seiner Endversion präsentiert, bleibt demnach äußerst spannend – oder besser gesagt besorgniserregend.

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