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TV-Werbung – von der Lüge zum Ladenhüter?

Vielleicht zu scharf geschossen???

Abend für Abend schauen die Deutschen sich einigermaßen desinteressiert die TV-Werbung an. Mancher nutzt die gefühlt immer gleichen TV-Spots zur Toilettenpause, um ein Bier zu holen oder für den Blick auf das Smartphone-Display. Dabei ist überaus spannend, was da so alles passiert. Man sollte genauer hinsehen, dann hat man ordentlich was zu lachen und staunen. Denn die TV-Spots von heute bleiben eben nicht immer gleich.

Ich hab mein Kind im Ohr

Sinnfreie Texte, gesprochen von angeblichen Hörgerätekunden, verkünden allabendlich, sie hätten ein Kind im Ohr. Lächerlich. Erstens hat keiner von denen ein Hörgerät im Ohr, was jeder Zuschauer auch ohne eine Brille erkennen kann. Zweitens fragt man sich doch, welcher Werbestratege die komplett sinnfreien Textschnipsel der anscheinend frei Sprechenden zusammengeschustert hat. Was will uns das sagen? Welche Relevanz hat es, dass eine zauberhafte dunkel gelockte Dame sich erinnert, dass es im Winter war? Welche tiefe Bedeutung erfasst man nicht, wenn ein cooler Typ mit Dreitagebart ellenlang schwadroniert, dass man es immer gleich haben will oder dass er seine Frau plötzlich hören und ihr antworten konnte? Es gibt trotzdem keine Antwort darauf, warum der Mann kein Hörgerät trägt, während er bierernst verkündet, er habe sein Kind im Ohr. Vielleicht hat man ihm einen Floh ins Ohr gesetzt, damit er das sagt. Authentizität und Glaubwürdigkeit sind aber was anderes. Nicht mal bei Hörgeräten kriegen die es hin, ehrlich zu sein. Schade eigentlich. Dann tragen die, die sie eigentlich nutzen sollten, sie eben auch nicht.

Warm, wärmer, am wärmsten

Die Werbeindustrie ist zutiefst davon überzeugt, dass sie es mit Analphabeten und Dummköpfen zu tun hat. Doch ganz so ist es nicht. Der eine oder andere bemerkt mit Staunen, dass Werbespots im Laufe immer kürzerer Zeit plötzlich textlich verändert werden. Manche werden vielleicht auch der Erkenntnis angepasst, dass sie zu sinnfrei geraten sind. So hat man den TV-Sport für Thermacare bereits mehrfach verändert. Wenn der smarte Sprecher mit überaus zweiflerischem Gesicht in einem Häufchen geschreddertem Chili herumstochert, liegt ein paar Wochen später plötzlich eine Chilischote daneben. Ah, jetzt versteht man, was das rote Zeugs ist! Es wird nach einer längst fälligen Skriptanpassung verkündet, dass Capsaicin aus Chili nur ein Gefühl der Wärme erzeugt, Thermacare aber tatsächlich warm wird. Um das zu beweisen, legt der junge Mann im Spot einen Hitzemesser bei beiden Pflasterarten an. Beim ABC-Pflaster bleibt er kalt, bei Thermacare zeigt er umgehend Hitze an. So ein Quatsch. Wahr ist: Es dauert, bis das enthaltene Eisenpulver mit dem Salz, der Aktivkohle und dem Wasser auf den Sauerstoff reagiert und warm wird. Genau dreißig Minuten, wie der Hersteller auf seiner Webseite verrät. Doch davon kein Wort. Dafür schafft man es, die altbewährten ABC-Pflaster schlecht zu machen. Warum denn – die haben doch all die Jahre fabelhaft gewirkt? Mieser Stil, aber ungemein unterhaltend. Nur kaufen möchte mancher das Produkt dann nicht mehr. Die Gelbe aus der Apotheke ist unkomplizierter. Oder nehmen wir die neue Grüne?

Zwanzig Jahre jünger: ein Wunder!

Wer aufmerksam beobachtet, entdeckt zudem, dass eine nette Siebzigjährige, die wegen ihrer angeblichen Vergesslichkeit ständig gelbe Zettel an die Türe kleben musste, bevor sie ein Ginkgo-Präparat dagegen entdeckt hat, für ein TV-Magazin um zwanzig Jahre jünger gephotoshoppt würde. Hoppala! So jung und schon so vergesslich? Oder vergesslich, aber in einen Jungbrunnen gefallen? Ähnlich erging es einer Fünfzigjährigen, die „Doc, ich liebe Dich“ so hinreißend sagen kann, dass man sich glatt in sie verlieben möchte. Dieselbe Frau erkennt man kaum noch, wenn sie durch einen redaktionellen Photoshop-Prozess für eine Apothekenzeitschrift um zwanzig Jahre jünger gemogelt wird. Ja, in wen sollen die Betrachter, die hin und weg von der Dame waren, sich denn nun verlieben? Nein, so ein Produkt kauft man dann vielleicht auch besser nicht.

TV-Werbung ist überaus spannend. Jeder sollte hinsehen und hinhören, wie sie uns für dumm verkaufen und verladen. Und dann? Briefe an den Hersteller schreiben. Lasst diese endlich einmal wissen, was aufmerksame Fernsehzuschauer davon halten, dass sie ihr Geld an Werbefirmen verschwenden, die so einen Bockmist verzapfen.

moon

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